Veranstaltungen·EröffnungPetr Bařinka / Parareal - Online kommentierte FührungWann4.3.2020 · 18:00WoDOT. Gallery, Bottova 1, BratislavaAusstellungPetr Bařinka / PararealZum Kalender hinzufügenPetr BařinkaPARAREALVernissage: Mittwoch, 4. März um 18.00Ausstellungsdauer: 5. 3. - 8. 4.. 2020Kuratorin der Ausstellung: Jana Babušiaková*Die Ausstellung wurde aus öffentlichen Mitteln durch den Fond na podporu umenia gefördert---Die farbspielerischen Bilder und Objekte von Petr Bařinka erwecken auf den ersten Blick Leichtigkeit und popkulturelle Verspieltheit, bei vielen Betrachtern womöglich sogar den Anschein von Oberflächlichkeit, die im Flitterglanz zeitgenössischer visuell interessanter und ansprechender kultureller Bezüge badet, die sozusagen „auf Anhieb“ funktionieren. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Die im Ausstellungstitel verwendete Vorsilbe „para“ definiert eine Situation, die außerhalb oder daneben steht, und viele der breitspektralen Universen des Künstlers können als autonome Welten mit eigenen Regeln erscheinen, die vielleicht manchmal grausam oder spöttisch sind, sich aber dennoch der faden und oft komplizierten Realität entziehen. Den popkulturellen Rahmen, von dem Bařinka ausgeht, passt er sich tatsächlich eigenwillig an und formt ihn zu einer Art Parallelwelten, die unsere reale Welt jedoch auf verschiedene Weise berühren, von ihr ausgehen und an sie anknüpfen oder sie sogar subtil und ironisch kritisieren. Die monographische Ausstellung dieses etablierten tschechischen visuellen Künstlers im Raum der DOT. Contemporary Art Gallery ist eine Art Querschnitt durch sein Schaffen der letzten Jahre und präsentiert verschiedene Strategien seines Zugangs zur Malerei anhand einer Auswahl älterer wie auch neuester Arbeiten. In seinem Schaffen oszilliert er zwischen abstrakten und konkreten Prinzipien der Malerei, wobei die Ausstellung einen Querschnitt durch die in den einzelnen Serien entwickelten „parallelen Realitäten“ bietet. Ein wichtiger Bestandteil von Bařinkas Schaffen ist die Arbeit mit der Linie, die er mithilfe der Stickerei in dreidimensionaler Form in das Bild einfügt, eine Technik, die er bereits bei seinen Vektorgemälden zu verwenden begann. Die Linie nutzt er als Hauptelement des Bildaufbaus in der illustrativen, comicartig flächigen Malerei sowie bei der Gestaltung geometrischer Strukturen. Die Vektorgemälde, die Bařinka ab 2012 zu schaffen begann, sind visuell mit der Ästhetik der Computerspiele der 70er und 80er Jahre verbunden. Die dünne, mit einem Faden erzeugte Konturlinie verbindet die frühen technologischen Möglichkeiten der Grafik (eine gerade, gleichmäßige Linie von Punkt A nach Punkt B) mit dem traditionellen Handwerk der Stickerei, das überraschend ein ähnliches einfaches Prinzip der Stoffverzierung nutzt. Die Stickerei selbst sowie Farbigkeit und Komposition im greifbaren Medium der Malerei imitieren perfekt die Vektorzeichnung, die nur aus der virtuellen Umgebung bekannt ist. So entstehen präzise Karten der nicht existierenden Realität eines imaginären Computerspiels. Die neuesten Arbeiten aus der Serie Golden Age arbeiten gerade mit der monochromen goldenen Farbigkeit des Hintergrunds und einer dünnen, schwarzen Linie, mit der der Künstler nahezu karikierende Szenen von Phänomenen des gegenwärtigen Lebens schafft, wobei er sich die Frage stellt, ob die Gegenwart wirklich jene „goldenen Zeiten“ ist oder ob die Realität eine andere ist, als sie nicht selten von sozialen Netzwerken und Medien präsentiert wird. Cosmos Pieces ist wohl der markanteste Vertreter von Bařinkas gegenwärtiger Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Realität und Abstraktion. Die präzisen geometrischen Muster seiner Gemälde finden ihr Vorbild in der Konkretheit der natürlichen Welt – im Rhythmus mineralischer Kristallisation oder in planetaren Anordnungen. Aus diesem Rahmen gerissen gelangen sie jedoch in einen neuen Kontext, der ihre Wirklichkeitsnähe durchbricht und sie auf eine dekorative und abstrakte Ebene verschiebt. Die Serie Night visitors wiederum arbeitet mit geheimnisvollen Wesen comicartigen Charakters, die in den Kulissen sozialistischer Wohnungen eine eigene, parallele Geschichte entwickeln, losgelöst von menschlichen Wesen. Die Deutung dieser Realität überlässt der Künstler dem Betrachter – seine nächtlichen Besucher können Märchenfiguren oder Besucher aus anderen Dimensionen sein. Ihr melancholischer Ausdruck vor dem Hintergrund nostalgischer propagandistischer Bilder des sozialistischen Paradieses deutet jedoch auch eine dunklere Lesart an – es handelt sich um Geister, gefangen in der (utopischen) Vergangenheit beziehungsweise in der Vorstellung, die von ihr geblieben ist, unfähig voranzuschreiten und ohne Möglichkeit der Rückkehr. Für welchen Teil der Bevölkerung unserer geografischen Breite ist diese parallele Realität noch immer ein Ort des dauerhaften Wohnsitzes? Jana Babušiaková---Petr Bařinka ist ein multimedialer visueller Künstler, der das Atelier des tschechischen Bildhauers Kurt Gebauer an der VŠUP in Praha absolvierte und anschließend seine visuellen Konzepte im Rahmen des Doktorandenprogramms im Malereiatelier von Prof. Ivan Csudaia in Bratislava weiterentwickelte, wo er sich mit visuellen Schemata des Modernismus und des digitalen Bildes befasste. Sein Schaffen nutzt die gesamte Bandbreite aktueller Techniken, von der Malerei über Bildhauerei, Fotografie und Film bis hin zu Digitaldruck und Animation. Er experimentiert fortwährend mit verschiedenen Materialien und Techniken wie der Stickerei u. a.Hinter der Vielfalt der materiellen Formen seiner Werke steht stets eine klar erkennbare künstlerische Handschrift. In seinem Werk verbindet er scheinbar naive märchenhafte Elemente mit gewichtigen Themen, die sich auf Gedächtnis, Unbewusstes, Angst und Fantasie beziehen. Mit anderen Worten realisiert der Künstler Bilder, die sich ihm, wie auch anderen Menschen, ins Gedächtnis einprägen.Im Jahr 2009 wurde er Preisträger des renommierten Preises NG 333 der Národnej galérie v Prahe für Künstler bis 33 Jahre, und 2015 zeichnete ihn die Jury mit dem Preis VIG Special Invitation aus, verliehen im Rahmen des Kunstwettbewerbs ESSL ART AWARD.(Text: Michal Tošner)