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Antonie Stanová

Soft Structures

Daten
14.4. – 11.5.2026
Ort
DOT. Galerie
Kurator:in
Mgr. Zuzana Danková
Künstler:innen
Antonie Stanová
Antonie Stanová / Soft Structures

Vernissage der Ausstellung: 13. 4. 2026 um 18.00
Dauer der Ausstellung: 14. 4. 2026 – 11. 5. 2026
Kuratorin: Mgr. Zuzana Danková
DOT. Contemporary / Jurkovičova tepláreň, Bottova 1 / Bratislava

Das neueste Schaffen von Antonie Stanová stellt eine konzentrierte malerische Phase dar, in der sich ihr langjähriges Interesse an Schrift, Zeichen und zeichnerischer Aufzeichnung in eine intensive, materiell und expressiv verstärkte Position verwandelt. Was in älteren Werken als Fragment einer Tagebuchnotiz, Buchstabe oder visueller Code lesbar war, löst sich in den aktuellen Bildern in einer stofflicheren und autonomeren malerischen Struktur auf.

Dieser Wandel bedeutet jedoch keine Diskontinuität; vielmehr handelt es sich um eine konsequente Entfaltung von Prinzipien, die in ihrer Arbeit seit Langem gegenwärtig sind. In einer älteren Interpretation wurde ihr Werk als eine Art Tagebuchaufzeichnung charakterisiert, in der Zeichen und Schreiben nicht als Träger einer präzisen Bedeutung fungieren, sondern als visuelle Spuren, Fragmente und zeichnerische Impulse.¹

Die Ausstellung Soft Structures präsentiert eine Werkgruppe, die im Laufe eines Jahres entstanden ist. Dieser zeitliche Rahmen erlaubt es, die einzelnen Bilder als kompaktes Ganzes zu lesen, in dem nachklingende Tendenzen des früheren Werks mit einer klar artikulierten Verschiebung hin zu größerer Abstraktion, Expressivität und malerischer Souveränität ineinandergreifen. Das Zeichen wird zur Geste, die Zeichnung zur Konstruktion und die Aufzeichnung zur Struktur.

Die Künstlerin bezeichnet ihre Arbeit als „writing paintings“ und beschreibt die Zeichen als „letters, forming a picture“.² Die Malerei entsteht so nicht zwischen Bild und Text als zwei getrennten Medien, sondern im Raum ihres wechselseitigen Umschreibens. Schreiben ist hier nicht Bedeutung, sondern Rhythmus; das Zeichen ist nicht Träger einer Botschaft, sondern Bewegung; das Bild ist keine Repräsentation, sondern Sediment des Prozesses.

Der Titel Soft Structures benennt die grundlegende Spannung dieser Serie. Weichheit bezeichnet hier keine Schwäche, sondern Sensibilität, Durchlässigkeit und Offenheit des Bildes. Struktur bedeutet umgekehrt keine Starrheit, sondern eine innere Organisation, die es dem Bild ermöglicht, seine eigene Intensität zu tragen. Es sind Bilder, die durch Schichtung, Durchbrechung und erneutes Zusammensetzen entstehen, wobei ihre resultierende Form zugleich stabil und fragil ist.

Dem entspricht auch die materielle und technische Beschaffenheit der Werke. Stanová arbeitet mit ungrundierter Leinwand, Trockenpastell und anschließenden Schichten aus Öl oder Acryl, wobei der Malprozess ausgesprochen taktil und auf den direkten Kontakt mit der Oberfläche angelegt ist.² In den aktuellen Arbeiten verstärkt sich diese Körperlichkeit: Die Bildfläche schärft sich, die Kontraste vertiefen sich, die Farbigkeit gewinnt an Intensität und die Geste an Gewicht. Die Malerei hört hier auf, nur ein visuelles Feld zu sein, und wird zu einem materiellen Ereignis.

Zugleich handelt es sich jedoch um Werke, die eine eindeutige Bedeutung verweigern. Die Zeichen, die die Künstlerin verwendet, sind an keine konkrete Referenz gebunden; sie funktionieren als offene Formen, die eher die Wahrnehmung als die Interpretation aktivieren.² Die Künstlerin betont das Bestreben, Bilder zu schaffen, die den Betrachter „touch“.² Es geht nicht um Lesbarkeit, sondern um Wirkung; nicht um Dekodierung, sondern um Erfahrung.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Frage von Schönheit, Harmonie und Rhythmus wesentliche Bedeutung. Stanová weist auf die Notwendigkeit hin, zwischen „beauty and superficiality“ zu unterscheiden, und betont zugleich die Bedeutung von Harmonie und Rhythmus.² In ihrer Arbeit fungieren diese Qualitäten jedoch nicht als ästhetische Dekorativität, sondern als inneres Prinzip der Bildorganisation. Harmonie ist hier das Ergebnis von Spannung, nicht deren Verneinung; Rhythmus ist die Weise, wie das Bild zusammenhält.

Der Bedeutungshorizont dieses Werks überschreitet den Rahmen der individuellen Aufzeichnung. Die Künstlerin interessiert sich für Gesellschaftsmodelle und für Vorstellungen ihrer möglichen zukünftigen Formen.² Dieses Interesse zeigt sich nicht thematisch, sondern eher als eine Weise, das Bild als offenes System zu denken — eine Struktur, die durchlässig und instabil bleibt und zugleich fähig ist, ihre eigene innere Logik zu tragen.

Soft Structures stellen die Bilder somit als weiche Konstruktionen der Intensität dar: Formen, die zugleich sensibel und fest, offen und organisiert sind. Es ist ein Moment, in dem die malerische Sprache von Antonie Stanová radikaler, stofflicher und expressiver wird und sich zugleich ihre grundlegende Qualität bewahrt — die Fähigkeit, jenseits eindeutiger Bedeutung zu wirken, unmittelbar auf der Ebene der Wahrnehmung.

Anmerkungen

¹ Monika Čejková, I Tried to Tell Ya Something Through the Phone, Text zur Ausstellung.

² “Interview with Antonie Stanová,” Les Nouveaux Riches, 4 September 2024.

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Antonie Stanová ist eine in Praha tätige Malerin, deren Werk die Schnittstelle von Sprache, Materialität und poetischer Resonanz untersucht. Als Absolventin der Vysokej školy umeleckopriemyselnej v Prahe (UMPRUM) versteht sie die Malerei als Prozess intuitiver wie bewusster Konstruktion, in dem sie Fragmente von Zeichnung, Schrift und Geste zu emotional aufgeladenen Kompositionen schichtet, die sich als visuelle Felder der Erinnerung entfalten.

Ihr Werk bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion und umfasst häufig Elemente wie anatomische Verweise, Textfragmente und Spuren, die an Handschrift oder Notation erinnern. Diese wiederkehrenden visuellen Motive fungieren nicht als direkte Symbole, sondern wirken eher als residuale Spuren, die Erinnerung, Körperlichkeit und die Spannung zwischen Artikulation und Auslöschung andeuten. Sprache nimmt in ihrer Arbeit eine Schlüsselrolle ein — nicht als Instrument direkter Kommunikation, sondern als visuelles und materielles Element, das auf etwas verweist, was knapp jenseits der Grenze des Fassbaren bleibt.

Die Oberflächen ihrer Bilder legen oft den Prozess ihrer Entstehung selbst offen: Lasuren, Kratzer und Schichtungen betonen Zeitlichkeit und Verwandlung. Das Ergebnis ist ein Werk, das in Aufmerksamkeit wurzelt — für die Oberfläche, die Wahrnehmung und die stillen Narrative, die die Malerei zu tragen vermag.

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Foto: Leontína Berková

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Antonie Stanová / Soft Structures
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