Zum Inhalt springen

OD NATURA MORTA K VIVA NATURA !

Daten
11.6. – 11.7.2021
Ort
DOT. Galerie
OD NATURA MORTA K VIVA NATURA !

Werkkatalog / Catalog of works

Od Natura morta k Viva natura !
Ausstellende Künstlerinnen: Ester Sabik, Dušana Vrbovská, Kristína Záhorová
Ausstellungsdauer: 11. 6. - 11. 7. 2021
——

Im Ausstellungsprojekt für die Galerie DOT. mit dem Titel Od Natura morta k Viva natura ! möchte ich drei Künstlerinnen vorstellen: Dušana Vrbovská, Kristína Zahorová und Ester Šabíková

Zwei sind Malerinnen, eine ist Fotografin. Zwei sind Absolventinnen der Abteilung für Malerei an der Akadémia umenia v Banskej Bystrici, eine ist Absolventin der Abteilung für Fotografie und neue Medien an der VŠVU in Bratislava. Alle drei verbindet das Thema der Beziehung zur Natur in einer tiefen philosophischen Bedeutung, in der der Mensch seit jeher seinen Platz hat. Den Platz des Menschen in der Natur nehmen sie über seine fragile physische Hülle wahr, die ihrem Wesen nach Teil der Naturwelt ist.

Dušana Vrbovská malt den Zerfall von Naturalien auf sehr traditionelle altmeisterliche Weise. Ihre Leinwände, in denen sie durch das Schichten der Malerei die Zeit festzuhalten sucht, können uns an holländische Stillleben des 17. Jahrhunderts erinnern, an traditionelle Betrachtungen über die Fragilität und Eitelkeit des Lebens- Natura morta.
Ihre Malerei ist präzise, geduldig und sensibel, als leugnete sie die Zeit, die sie anzuhalten und zugleich zu malen sucht.

Die Arbeiten von Kristína Záhorová sind ein Beispiel für ein künstlerisches Verfahren, das vom ersten Berühren an denkt. Diese ihre Berührung! Die Berührung ihres Pinsels, das Eintauchen in farbige Tusche, die sie selbst aus den verschiedensten, mitunter völlig beispiellosen Mischungen natürlicher Materialien herstellt, erinnert wiederum an die fragile Welt altmeisterlicher japanischer Tuschmalerei. Die Titel der großformatigen Malereien auf Papier sind eigene Gedichte.

Ester Sabik und die Entwicklung ihrer Berührung mit dem Thema Natur begann im Zyklus Metamorphosis of beauty. Fragile, pastellfarbene Blumenkompositionen, ihre vergängliche Schönheit in analogen Fotografien gipfelte im Zyklus Back to Aminism, in dem Ester mit einer neuen Technik hervortritt. Mithilfe von Licht und lichtempfindlichem Material – dem Wesen der Fotografie aus ihren Anfängen vor fast 150 Jahren – materialisiert sie ungeahnte und eigentümliche Mikrowelten, die uns umgeben.

Diese drei jungen Künstlerinnen habe ich wegen ihrer außergewöhnlichen Hingabe ausgewählt, mit der sie an die künstlerische Arbeit herangehen. In ihren Arbeiten sind schon jetzt, in den Anfängen ihres künstlerischen Schaffens, eine tiefe Sensibilität und eine persönliche Verbindung zu dem spürbar, wovon und wie sie in ihren Werken sprechen.
Ihre bildnerische Sprache ist, auch wenn sich ihre Vergangenheit nachverfolgen lässt, im höchsten Maße zeitgenössisch.

Jana Farmanová
——
Dušana Vrbovská

Der Malereizyklus formt sich aus der Beziehung zur Realität und entspringt vor allem dem Bedürfnis, die umgebende Welt zu beobachten und zu erforschen. Thematisch berührt er die Natur, ihre Zyklen, Verwandlungen, Werden und Vergehen, die Fragilität und zugleich die Kraft des Seins (nicht nur der Natur, sondern auch unseres eigenen). Nie lässt sich sagen, dass etwas lebendig oder tot wäre; es ist ein endloser Kreislauf von Geburt, Sterben und Verwesung, den wir überall um uns sehen können.

Laub fällt ab, trocknet und verrottet, Holz vermodert, doch in all dem sind zugleich die Keime des Lebens gegenwärtig. Den Wechsel der Jahreszeiten, wenn nach dem Winter wieder der Frühling kommt, verstehe ich als Metapher für die Prozesse, die wir selbst durchlaufen.

Wie lange wächst ein Baum, und wie lange lebt ein Mensch? Gegenüber der Natur sind wir nur für einen Augenblick hier. Wie sehr sie uns übersteigt, spüre ich oft schon allein bei den Versuchen malerischer Darstellung. Es geht nicht um technisches Können und auch nicht um die Frage der getreuen Nachahmung der Realität, eher um das Gefühl, dass es etwas ist, das menschliches Sein und Streben weit übersteigt. Ich kann sie nur aus der Perspektive unseres menschlichen Daseins wahrnehmen und empfinden und versuchen, mich ihr gerade durch den Prozess des Malens anzunähern. Mein Ziel ist es, mit den Bildern dem Aufmerksamkeit zu schenken, was uns umgibt, auf den ersten Blick alltäglich scheinen mag und was wir so oft übersehen. Die Aufmerksamkeit dorthin zu lenken, wo sie meist fehlt.

Ich befasse mich mit der malerischen Erforschung der gewählten Problematik, Naturmotive halte ich in verschiedenen Abwandlungen fest, im Ganzen, im Detail, vom Konkreten bis zum Abstrakten. Ebenso wichtig ist mir die Untersuchung und Neubewertung der eigenen malerischen Möglichkeiten und Grenzen. Mich interessiert vor allem die Grenze zwischen dem Einsatz realistischer Darstellung, der Suche nach dem Maß an Freiheit in der Malerei und dem eigenen authentischen Ausdruck.

***

Kristína Záhorová - Herbár imaginácií (2020)

Ein Herbarium ist dazu bestimmt, Informationen und Erkenntnisse über Heilpflanzenarten festzuhalten. Herbár imaginácií bewahrt Empfindungen, Gedanken und Vorstellungen, die in der Landschaft gesammelt wurden. Diese werden jedoch einem gewissen Abstand unterzogen, der nötig ist, um durch die Kontemplation der erlebten Empfindungen einen Überblick zu gewinnen und die Gedanken anschließend im Herbár imaginácií abzulegen.

Zu Orten in der Natur, die mir nahe sind, kehre ich in Gedanken stets zurück wie zu imaginativen Landschaften; diese nehme ich als unendlichen Mikrokosmos voll leuchtender Farben wahr. In die einzelnen Bilder lege ich meine Gedanken, die auch von den kleinsten Details der natürlichen Umgebung inspiriert sind. Die Titel der konkreten Bilder stehen im Zusammenhang mit den natürlichen Materialien, die bei der Zubereitung der Tuschen verwendet wurden: Pŕhľava a Avokádo, Vtáčí zob I., Fialka voňavá, Hyacint a Fialka.

Für den Verlust der Natur aus dem Inneren eines jeden von uns ist die Entwicklung des Egos verantwortlich. Als wir noch Kinder sind, nehmen wir unsere Umgebung durch eine Optik wahr, die im Laufe der Zeit unter dem Einfluss des Erwachsenwerdens verloren geht. Der aufrichtige Ausdruck eines Kindes oder eines psychisch Kranken begreift den bildnerischen Ausdruck anhand seines Prozesses, nicht des Ergebnisses. Diesen aufrichtigen und reinen Prozess versuche ich während des Malens zu durchleben und so dem möglichst spontansten bildnerischen Ausdruck Raum zu geben.
***

Ester Sabik

durch die allmähliche Rückkehr
zu den Wurzeln unserer gemeinsamen Welt,
durch meinen persönlichen hindurch,
gelangte ich zum Schaffen lebendiger Bilder,
von Bildern, geformt durch Erfahrung,
Zeit,
Licht,
organische Materie
und elementare Geste

durch mein Schaffen versuche ich, die Frage nach der Beseeltheit der Welt zu stellen und zugleich zu beantworten.

TOgrafia- ist ein Konzept lebendiger Fotografie. Sie steht zwischen Analog und Digital, zwischen Malerei und Fotografie, zwischen etwas Abstraktem und Konkretem.

TOgrafia entsteht durch den direkten Kontakt mit organischer Materie auf einem lichtempfindlichen Träger über einen längeren Zeitraum.
Natur und Mensch schaffen in Zusammenarbeit einen Abdruck, der mehr ist als nur die Lichtberührung eines Augenblicks.
Es handelt sich um das Zusammentreffen mehrerer Elemente in einer konkreten Zeit und einem konkreten Raum, deren Wechselwirkung ein magisches (nichtlineares) Bild erzeugt.

Das Ziel meiner Arbeit ist es, einen Weg zu finden, die Tiefe der Beziehung festzuhalten, die ich gegenüber der Natur empfinde. Ebenso das, was ich wahrnehme” und wo ich mich voll mit den Naturvölkern darin identifiziere, dass der Mensch der umgebenden vielfältigen Welt gleich ist. Dass die Ordnung der Welt nicht auf einer Hierarchie von Systemen beruht, die der Mensch benannt und geordnet hat und wo er sich selbst an die Spitze dieser Pyramide gestellt hat.

Naturvölker glauben, dass die Gottheit allgegenwärtig ist, enthalten in allen Bestandteilen und Elementen, die unseren Kosmos-unsere Welt-uns bilden.
Es ist die Energie des Entstehens und Vergehens und weiteren Entstehens, es ist ein lebendiger Kreis.

Dieses Etwas empfinde ich, davon versuche ich zu erzählen, das habe ich festzuhalten versucht, und so gelangte ich zur TOgrafia, zur Fotografie, die durch das Durchwachsen mit Schimmel entsteht.

---
Aus öffentlichen Mitteln gefördert durch den Fond na podporu umenia.

Galerie

3
OD NATURA MORTA K VIVA NATURA !
OD NATURA MORTA K VIVA NATURA !
OD NATURA MORTA K VIVA NATURA !