Helen Toth
Hovoriace prsty stromov - 15.8. - 24.9. 2017
- Daten
- 15.8. – 24.9.2017
- Ort
- DOT. Galerie
- Künstler:innen
- Helen Toth
Helen Toth - Hovoriace prsty stromov
Eröffnet von: Juliana Mrvová
Adresse: DOT. Contemporary Art Gallery, Lazaretská 13, Bratislava, 81108
Dauer: 15.8. – 24.9. 2017
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Die Ausstellung Hovoriace prsty stromov von Helena Tóthová ist ihre zweite Einzelpräsentation in diesem Raum. Im Laufe von etwa einem Jahr hat sich das Schaffen der Künstlerin zu einer persönlicheren Aussage und einer Analyse ihres Platzes in der Welt verschoben. Darüber hinaus entfaltete Helena eine Zeichnungsserie von Wäldern, Bäumen und Ästen, aus der auch ihr neues malerisches Schaffen erwuchs. Formal kam in der Ausstellung zudem das Medium der Installation hinzu – in Gestalt einer Art Wunderkammer aus gesammelter Walderde und Wasser aus Gebirgsbächen.
Ihr Themenkreis hat sich vom umzäunten Raum des Gartens in den unbegrenzten Wald verlagert, einen freieren Raum für physische wie malerische Bewegung. Der Ausstellungstitel lässt uns erkennen, dass der Wald für Helena zu einem wesentlichen Zufluchtsort wird, im Schaffen wie im Leben. Der lebendige Wald spricht mit der Künstlerin durch seine Äste, die Helena sammelt und anschließend nutzt, um mithilfe eines Overheadprojektors Kompositionen zu bilden.
Helena betritt den Wald und hält Empfindungen fotografisch, zeichnerisch und schließlich malerisch fest. Aus dem Wald nimmt sie jedoch auch seine materiellen Bestandteile mit – Erde, Moos, Zweige und große Äste. Aus den Ästen komponiert sie später im Atelier Bilder und bietet Erde und Wasser aus dem Wald in der Galerie als ein Stück Natur an, „die wir uns mit nach Hause genommen haben“. Der Begriff von Heimat und Zuflucht ist hier entscheidend – der Wald, den Helena mit nach Hause nimmt, ist zugleich ihre Zuflucht und ihre Heimat.
Das Geflecht der Äste evoziert ein Versteck, und die in der Luft hängenden Äste sprechen von menschlicher Präsenz im Wald. Es ist kein realer Wald, und er entsteht auch nicht durch das Übermalen einer fotografierten Waldrealität. Er entsteht in der Imagination der Künstlerin, in ihrem Wunsch, sich ihm zu nähern, mit ihm zu kommunizieren und die lebendigen Hände des Waldes zu berühren.
Gewiss liegt in diesem Wunsch auch etwas Irreales, oder vielmehr Surreales, ähnlich wie in den Bildern von Ästen, die in horizontaler Lage an nahezu unsichtbaren Schnüren hängen. Doch auch der erträumte Wald, der uns Zuflucht vor dem allzu großen Gewicht der Welt bot, ist kein realer Ausweg aus der existenziellen Situation, die die Künstlerin empfindet.
Auch wenn wir einem solchen Malen eine teilweise therapeutische Rolle zuschreiben können, bleibt es eine Aussage über die Welt, die mit uns zu kommunizieren vermag.
Ihr Wesen und ihre „Wurzeln“, oder vielmehr Äste, treten in den beunruhigenden Zeichnungen der Künstlerin noch dringlicher zutage. Helena experimentiert mit einem einfachen Motiv und der Wiederholung desselben Themas, doch in ihrem Variieren liegt eine gewisse Beharrlichkeit. Ich muss so viele Bäume malen, bis ich eine gewisse Vollkommenheit erreiche. Sie gesteht sich die Möglichkeit nicht ein, dass sich das Thema leicht erschöpfen ließe.
Über das wiederkehrende Motiv des horizontal aufgehängten Astes sagt die Künstlerin selbst, sie habe „ihre Unsicherheiten aufgehängt“. Ihre malerischen wie auch ihre Lebenszweifel trägt sie in den Wald, aus dem sie bereits reinen Boden für weitere Bilder mitbringt. In der Installation aus Einmachgläsern mit konservierter „Schönheit“ oder einem anderen Attribut ihres Waldes nähert sich Helena ihm eher wissenschaftlich, in den Zeichnungen analytisch und in den Ölbildern emotional und subjektiv.
So wirkt die Ausstellung als Ganzes wie eine Sonde in die Tiefen des Waldes und zugleich in das Nachdenken und die Sehnsüchte der Künstlerin selbst.
Text: Juliana Mrvová
* Die Ausstellung wurde vom Fond na podporu umenia unterstützt