Gender brand
- Daten
- 22.5. – 10.6.2018
- Ort
- DOT. Galerie
- Kurator:in
- Mgr. Zuzana Danková

Gender brand / Geschlechtsmarke
Kuratorin: Mgr. Zuzana Danková
Ausstellungsdauer 22. 5. - 10. 6. 18
Lucia Dovičáková, Mária Machatová, Mária Matrková, Ivana Šáteková Viktor Fuček, Tomáš Nemec, Martin Piaček, Viliam Slaminka
Die Ausstellung wurde aus öffentlichen Mitteln durch den Fond na podporu umenia gefördert
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Die Ausstellung ist eine Reflexion aktueller Begriffe, die in der Gesellschaft seit Ende der 90er Jahre Resonanz finden. Fragen des Feminismus, der Geschlechterstereotype oder gar der sogenannten Gender-Ideologie bleiben im politischen, religiösen und sozialen Bereich angesichts ihrer Komplexität objektiv unbeantwortet. Im persönlichen Bereich ist es dennoch wichtig, diese Themen weiterzuentwickeln, und gerade die Kunst ist hier ein Kommunikationsmittel, das schlagkräftig zu sprechen vermag.
Die Ausstellung reflektiert zwei Linien der Problematik von Weiblichkeit und Männlichkeit. Die erste Linie verweist auf die Unterschiede von Mannsein und Frausein in kritischer Hinsicht. Sie eröffnet Fragen: gesellschaftliche Erwartungen, konstruiert aufgrund von Geschlecht oder Gender, die Verdrängung des Lebens zugunsten der Familie, die Anpassung an die neue Rolle der Elternschaft, der Druck von Familie und Gesellschaft auf die Vaterrolle und die Mutterrolle, Unterschiede, die Frauen wie Männer trotz Gleichberechtigung und demokratischer Prinzipien der heutigen Gesellschaft weiterhin spüren.
Eine der markantesten Künstlerinnen, die sich offen zu einem feministisch informierten Schaffen bekennen, ist Lucia Dovičáková. Durch die Visualisierung alltäglicher Aktivitäten, angereichert um einen zugespitzten und gesteigerten Moment, wobei der Künstlerin Spiel und Humor nicht fehlen, bewirkt sie bei den Betrachtenden ein Bewusstsein für die Absurdität dieser Momente, Gewohnheiten und Verhaltensweisen.
Alltägliche Situationen, die wir gewöhnlich nicht reflektieren und deren Problematik wir täglich übersehen, zeigt sie in kritischem Licht. Im Werk Housewife gestaltet sie die Vorstellung von der vollkommen fürsorglichen Frau, die in Männern von ferner Vergangenheit bis in die Gegenwart nachhallt. Ebenso ist im Werk Mama die Frau, aus der eine Mutter geworden ist, ohne Bedürfnisse und Sexualität. Als erotisches Symbol bleibt sie nur so lange, bis sie ausschließlich für die Familie existieren muss.
Dennoch ist sie immer noch dieselbe Frau und hat ihre Červené topánky weiterhin symbolisch beiseitegelegt.
Die Nichtannahme der Istanbul-Konvention (Prävention von Gewalt, Schutz von Frauen, Strafverfolgung der Täter...) im Rahmen der slowakischen Gesetzgebung veranlasste Ivana Šáteková zur Schaffung „zusammengeschlagener Frauen“, die trotz ihrer Verletzungen und offenen Wunden eine ästhetische Pose und die Form einer Verführerin wahren. (Die Werke entstanden zur Ausstellung „Boli tam ľudia aj ženy“, Kuratorin der Ausstellung: Silvia Čúzyová.
Die Ausstellung wurde nach einem der slowakischen Sprichwörter benannt, das in der gesammelten Ausgabe des Folkloristen, Dichters, Prosaisten, evangelischen Pfarrers und Pädagogen Adolf Peter Záturecký zu finden ist: Slovenské príslovia, porekadlá a úslovia (1897).
„Boli tam ľudia aj ženy“ – gehört zu den Formulierungen, die auf prosaischer und vermutlich gewohnheitsmäßig verfestigter Ebene das Verständnis und die Stellung der Frau in der slowakischen Gesellschaft vor ca. 120 Jahren widerspiegelten. Mit schockierender Pragmatik wird hier die Marginalisierung der Frauen und ihre „traditionelle“ Verortung in Familie und Haushalt vorgeführt. Ivana Šáteková gibt mit ihrer künstlerischen Reflexion – mit originellem
Humor und Sinn für Provokation – Anstoß zum Nachdenken, was von diesen traditionellen Narrativen und Denkweisen bis in die Gegenwart fortwirkt. )
Viliam Slaminka bearbeitet die Themen durch das beständige Konzept des Spiels. Die Werke wirken spielerisch und unbeschwert, reflektieren dennoch aktuelle soziale Probleme. Durch die Transformation eines Spielzeugbügeleisens ( Podľa vzoru muž ) in den „army look“ zielt der Künstler darauf, diese stereotyp wahrgenommene Frauenarbeit in eine Form zu bringen, für die sich kein „richtiger“ Mann schämen muss.
Den Gegensatz zum „rauen“ Armeebügeleisen bilden Röschen aus Socken. In dieser Lage erscheint das Bügeleisen schließlich als Wächterin des Sockengartens. Black and white collection und Zberateľský omyl stellen männliche Trophäen dar ( Brüste, Höschen ), oder schlicht das, was Männer an Frauen am meisten anzieht, reduziert, beschnitten allein auf das wirklich "Wesentliche".
Viktor Fuček wählt in seinem Schaffen verschiedene Ansätze, um das komplexe System des menschlichen Wesens auszudrücken. Ähnlich reflektiert er im Werk „Môžu muži plakať“ in einer Videoperformance die gesellschaftlich vorherrschende Meinung, dass „Männer niemals weinen“. Im Werk Mal by som geht er von der Idee aus, dass ein wahrer Mann zuerst ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen sollte. Ist das aber wirklich so?
Persönlich empfindet er es als Zwang, als etwas, das er um jeden Preis in den Kopf bekommen muss. Jeden Teil des Ausspruchs muss er daher hundertmal niederschreiben wie eine Schulstrafe. Die Installation von Martin Piaček knüpft an dieses Los des Mannes an. Sie zeigt seine weniger bekannte, intimere Seite der Selbstporträtarbeit. Sie gestaltet eine unverhältnismäßige Form des Drucks auf die männliche Persönlichkeit und die Auseinandersetzung mit der Vaterrolle.
Die zweite Ebene der Ausstellung stellt intime Momente von Mann und Frau dar, die Komfortzone von Frausein und Mannsein sowie den freien Umgang mit der eigenen Sexualität.
Die Malerei von Tomáš Nemec erfasst schlicht das, was ihn interessiert. Mit expressivem Duktus gestaltet er sein Hier und Jetzt. Seine Sphäre der Intimität verschiebt er auf die Ebene der Entblößung im weitesten Sinne des Wortes. Die Reflexion männlicher Nacktheit ist im traditionellen Bereich der bildenden Kunst seit jeher präsent, der Kult des weiblichen Körpers und der Sinnlichkeit hat in der Gegenwart jedoch dazu geführt, dass der männliche Akt nur noch eine Randerscheinung ist. Die Konzentration auf den Körper durchlief in seinem Werk eine Entwicklung vom klassischen Motiv des Badens bis hin zu mehreren Motiven aus Pornofilmen.
Zum Gegenstand seines Interesses an Körperlichkeit wurde trotz seiner homosexuellen Orientierung auch seine Freundin Štěpánka ( Burlesque-Performerin Stephanie Van Der Strumpf ), die Tomáš' Blick auf die Essenz der Weiblichkeit, des sexuellen Symbols und der weiblichen Unabhängigkeit verkörpert.
In den Werken der Künstlerinnen Mária Machatová und Mária Matrková stellen Körperfragmente keine erotischen Objekte dar; ihre Absicht ist es, das gefühlte Erleben angenehmer Momente der Weiblichkeit hervorzurufen. Die Bilder erfassen die Körper in natürlicher Gestalt, in natürlichen Momenten der Entspannung. Unterwäsche und Draperie stellen eine Hülle dar, eine äußere Schicht und den Schutz des Körpers, der mit der Frau in Berührung kommt und als intimstes Gewand auch Geheimnis, Vertrautheit und die erste Berührung evoziert.
Mária Machatová geht von der Idee aus, dass der Körper Geist und Unterbewusstsein spiegelt. Ihre Werke sind ein Bild emotionaler Bewegungen des Körpers, die aus dem Inneren der Frau hervorgehen. Mária Matrková zeigt Frauen in alltäglichen Ritualen, in Momenten, in denen sich Frauen wohlfühlen.
Mgr. Zuzana Danková
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