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Apropos Anthropos

Deana Kolenčíková

Daten
19.7. – 12.8.2018
Ort
DOT. Galerie
Kurator:in
Ľuboš Lehocký
Künstler:innen
Apropos Anthropos
Apropos Anthropos - Deana Kolenčíková

Deana Kolenčíková: Apropos Anthropos
Vernissage: 19.7. 2018 (Donnerstag), 19:00

Kurator: Ľuboš Lehocký
Ausstellungsdauer: 19.7. - 12.8. 2018

DOT. Contemporary Art Gallery
Lazaretská 13, Bratislava

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Deana Kolenčíková (*1990) reagiert in ihrem Werk durch Aktion und Intervention im öffentlichen Raum, Fotografie oder Installation oft mit Distanz auf die Spezifika der Orte, Situationen oder Gemeinschaften, in denen sie sich wiederfindet.

Ihre Reaktion gründet zumeist auf Beobachtung oder – besser gesagt – auf dem Leben an einem Ort, der Kommunikation mit einer Gemeinschaft oder der Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen und auf deren anschließender, nicht selten auch witziger Verwandlung, Verschiebung oder Abweichung – oder aber: auf dem Hinweis, der Erinnerung oder der Bedeutungsgebung bestimmter Aspekte von Welt und Leben, die unbeachtet, übersehen, der Aufmerksamkeit für unwürdig gehalten oder schlicht nicht reflektiert blieben, weil wir uns an sie gewöhnt hatten, wodurch uns ihre Eigenart, ihre Bemerkenswertheit und schließlich ihr Ernst aus den Augen geraten waren.

Dabei geht es nicht nur um etwas bizarre und witzige (aber nicht bedeutungslose) Aktionen und Interventionen wie die Wandmalerei einer Anleitung oder eines Angebots von Spielplätzen beziehungsweise Spielen, die sich mit Kreide auf den Gehweg zeichnen und auf der Straße spielen lassen (Kies & Speel, 2018, Hasselt), die Auszeichnung der zuletzt ins Ziel Gekommenen bei einem lokalen Wettbewerb nach dem Motto „Es ist nicht wichtig zu siegen, sondern teilzunehmen“ (The losers take it all!, 2018, Kiewit) oder das Aufhängen einer Rennstartflagge an der Schranke eines Bahnübergangs (3...2...1..., 2017, Praha), was nebenbei auch die tragische Ungeduld, die Hast und die Missachtung der Regeln durch Fahrer kommentiert; mitunter reagiert Deana Kolenčíková mit Distanz auch auf einen ernsteren gesellschaftlichen und lokalen Kontext: In der Arbeit Arrow to Cantepau (2017, Albi) erinnert sie die Einwohner mit der einfachen Geste, einen auf die arme Vorstadt verweisenden Index durch das Zentrum von Albi zu tragen, an das Problem dieses Viertels und macht es für Touristen sichtbar; ähnlich weist sie auf die Probleme und Qualitäten derselben Stadt hin, wenn sie einen großen Schriftzug „Zu vermieten“ durch deren Straßen hinter sich herzieht (A louer, 2017, Albi), in einer anderen Arbeit wiederum reflektiert sie witzig, doch ohne herabwürdigenden Spott, dabei mit einem gewissen Ernst bis hin zur „Pietät“, das Projekt einer jahrelang unvollendeten, nicht in Betrieb genommenen Bahnstrecke zwischen zwei belgischen Städten (Here it comes!, 2018, Munsterbilzen).

In der Ausstellung Apropos Anthropos in der DOT. Contemporary Art Gallery in Bratislava präsentiert die Künstlerin ihre neuen und gegenüber den oben genannten stärker „galerietauglichen“ Arbeiten (die sie selbst in der Ausstellung auch der Raumdisposition wegen vorläufig in zwei Gruppen teilt).

In einem der beiden zusammenhängenden Teile der Ausstellung verleiht Kolenčíková, wie sie selbst sagt, „der Welt der Pflanzen und der Natur eine Stimme“: Sie präsentiert Urazené sirôtky (2018) als Gruppenporträt von Blümchen, die wir gewöhnlich als „lieb“ wahrnehmen, die den Vorübergehenden diesmal jedoch ungehörig den Rücken kehren, wobei sie sich – ihr Desinteresse und vielleicht ihre Abneigung gegenüber dem Geschehen demonstrierend – sogar von ihrer natürlichen und lebensspendenden Quelle, dem Licht, abwenden, nur um ihre Unzufriedenheit mit dem zu zeigen, was sie vor Augen hatten.

Die Metapher der beleidigt oder resigniert vom Menschen abgewandten Blütenköpfe – oder, in der Fotografie Rastlinná jóga – pozdrav slnku (2018), der infolge vorgegebener Grenzen (etwa der Platzierung in einer Wohnung am Fenster) deformierten Körper eines lebenden Organismus – ist ihrem Wesen nach einfach, auf den ersten Blick vielleicht zum Schmunzeln, und doch beunruhigend.

Ähnlich einfach in ihrer „Geschichte“, doch treffend sind auch die Videos A cup of English Brexit (2018) und Melting (2018), mit denen die Künstlerin (übrigens Teilnehmerin mehrerer Residenzen, Studien- und Stipendienaufenthalte in verschiedenen europäischen Ländern sowie Preisträgerin oder Finalistin internationaler Wettbewerbe) ironisch auf die problematische Situation Großbritanniens im Moment der Loslösung von der Europäischen Union verweist beziehungsweise auf die auf den ersten Blick feste, durch verschiedene Einflüsse jedoch angegriffene, zerfließende und fragile Natur eines internationalen Konzepts, das sich während „heißer Tage“, bei längerem Verzicht darauf, „mit kühlem Kopf“ zu handeln, gänzlich auflösen und verflüchtigen kann.

Und damit es nicht vergessen wird: Der Mensch (Apropos Anthropos) ist in all diesem Geschehen Ursache, Agens, aber auch Zuschauer, der vielleicht in Momenten erwacht und die Absurdität seines Tuns erkennt, das er für wichtig hielt, und Wichtigkeit in dem entdeckt, was er bislang übersah, gewaltsam veränderte oder zerstörte, und plötzlich begreift, dass „nikdy tady není nic napořád“ (Crossword puzzle, 2017/2018, Praha).

Die genannten Arbeiten sind online zugänglich unter www.deanakolencikova.com.

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Aus öffentlichen Mitteln gefördert durch den Fond na podporu umenia.

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Apropos Anthropos - Deana Kolenčíková
Apropos Anthropos - Deana Kolenčíková
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