Finissage der Ausstellung - Helen Toth - Hovoriace prsty stromov - 22.9.2017
- Wann
- 22.9.2017 · 18:00
- Wo
- DOT. Gallery, Bottova 1, Bratislava
HELEN TOTH – HOVORIACE PRSTY STROMOV
Finissage: 22.9.2017
Laufzeit: 15.8. – 24.9. 2017
DOT. Contemporary Art Gallery, Lazaretská 13, Bratislava
*Die Ausstellung wird mit finanzieller Unterstützung von Fond na podporu umenia (FPU) realisiert.
Die Ausstellung von Helena Tóthová Hovoriace prsty stromov ist ihre zweite Einzelpräsentation in diesem Raum. Im Laufe von etwa einem Jahr hat sich das Schaffen der Künstlerin zu einer persönlicheren Aussage und einer Analyse ihres Platzes in der Welt verschoben. Darüber hinaus hat Helena eine zeichnerische Serie von Wäldern, Bäumen und Ästen entwickelt, aus der auch ihr neues malerisches Werk hervorging.
Formal kam in der Ausstellung auch das Medium der Installation hinzu – in Form einer Art Kuriositätenkabinett aus gesammelter Walderde und Wasser aus Bergbächen.
Ihr Themenkreis hat sich vom umzäunten Raum des Gartens in den unbegrenzten Wald verlagert, einen freieren Raum für körperliche wie malerische Bewegung. Der Titel der Ausstellung deutet an, dass der Wald für Helena zu einem wesentlichen Zufluchtsort wird, sowohl im Schaffen als auch im Leben. Der lebendige Wald spricht mit der Künstlerin durch seine Äste, die Helena sammelt und anschließend nutzt, um mithilfe eines Overheadprojektors Kompositionen zu schaffen.
Helena betritt den Wald und hält Empfindungen fotografisch, zeichnerisch und schließlich malerisch fest. Aus dem Wald nimmt sie jedoch auch seine materiellen Bestandteile mit – Erde, Moos, kleine Zweige und große Äste. Aus den Ästen setzt sie später im Atelier Bilder zusammen und bietet Erde und Wasser aus dem Wald in der Galerie als ein Stück Natur an, "die wir uns mit nach Hause genommen haben". Der Begriff von Heimat und Zuflucht ist hier zentral – der Wald, den Helena mit nach Hause nimmt, ist zugleich ihre Zuflucht und ihre Heimat.
Das Gewirr der Äste evoziert ein Versteck, und die in der Luft hängenden Äste sprechen von menschlicher Präsenz im Wald. Es ist kein realer Wald, und er entsteht auch nicht durch das Übermalen einer fotografierten Waldrealität. Er entsteht in der Imagination der Künstlerin, in ihrem Wunsch, sich ihm zu nähern, mit ihm zu kommunizieren und die lebendigen Hände des Waldes zu berühren.
In diesem Wunsch liegt gewiss auch etwas Irreales, oder vielmehr Surreales, ähnlich wie in den Bildern von Ästen, die horizontal an nahezu unsichtbaren Schnüren hängen. Doch der erträumte Wald, der uns Zuflucht vor dem allzu großen Gewicht der Welt geboten hat, ist ebenfalls kein realer Ausweg aus der existenziellen Situation, die die Künstlerin empfindet.
Auch wenn wir einem solchen Malen teilweise eine therapeutische Rolle zuschreiben können, bleibt es eine Aussage über die Welt, die mit uns zu kommunizieren vermag.
Ihr Wesen und ihre "Wurzeln", oder vielmehr Äste, treten in den beunruhigenden Zeichnungen der Künstlerin noch dringlicher hervor. Helena experimentiert mit einem einfachen Motiv und der Wiederholung desselben Themas, doch in ihrem Variieren liegt eine gewisse Beharrlichkeit. Ich muss so viele Bäume malen, bis ich eine gewisse Vollkommenheit erreiche. Die Möglichkeit, dass sich das Thema leicht erschöpfen ließe, lässt sie nicht zu.
Über das wiederkehrende Motiv des horizontal aufgehängten Astes sagt die Künstlerin selbst, dass "sie sich ihre Unsicherheiten aufgehängt habe". Ihre malerischen wie auch ihre Lebenszweifel trägt sie in den Wald, aus dem sie bereits reinen Boden für weitere Bilder mitbringt. In der Installation aus Einmachgläsern mit konservierter "Schönheit" oder einem anderen Attribut ihres Waldes nähert sich Helena ihm eher wissenschaftlich, in den Zeichnungen analytisch und in den Ölbildern emotional und subjektiv.
So wirkt die Ausstellung im Ganzen als Sonde in die Tiefen des Waldes wie auch in das Denken und die Sehnsüchte der Künstlerin selbst.
Text Juliana Mrvová
